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Brennweite und Vergrößerung bei Teleobjektiven: so wirken sie
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Inhalt 14 Abschnitte
Einfluss der Brennweite auf den Bildausschnitt
Die Brennweite bestimmt, wie groß der Bildausschnitt ist und wie groß ein Motiv auf dem Sensor abgebildet wird. Je länger die Brennweite, desto enger der Bildwinkel und desto größer erscheint ein entferntes Motiv im Bild.
Den Bildwinkel können Sie berechnen: Bildwinkel = 2 · arctan(Sensordiagonale / (2 · Brennweite)). Für das Kleinbildformat mit etwa 43,3 mm Diagonale ergeben sich diagonal rund 84 Grad bei 24 mm, rund 12 Grad bei 200 mm und rund 6 Grad bei 400 mm. Ein Weitwinkel zeigt also viel Umgebung und passt zu Landschaft und Architektur. Ein Teleobjektiv ab etwa 200 mm schneidet einen kleinen Ausschnitt heraus und holt entfernte Motive heran, was in der Tier- und Sportfotografie hilft.
An einem kleineren Sensor wird der Ausschnitt bei gleicher Brennweite enger. Der Crop-Faktor ändert dabei nicht die Brennweite des Objektivs, sondern den Bildwinkel. 300 mm an einer APS-C-Kamera mit Faktor 1,5 zeigen etwa denselben Ausschnitt wie 450 mm am Kleinbild. An Micro Four Thirds mit Faktor 2,0 entsprechen 300 mm etwa 600 mm Kleinbild.
Vergrößerungseffekt bei Teleobjektiven
Von Vergrößerung spricht man bei Teleobjektiven meist im Vergleich zur Normalbrennweite. Am Kleinbild gelten etwa 50 mm als normal, weil der Bildeindruck dann ungefähr dem natürlichen Sehen entspricht. Als Faustregel gilt: Brennweite geteilt durch 50 ergibt die Vergrößerung gegenüber diesem Eindruck. 300 mm wirken also etwa sechsfach, 600 mm etwa zwölffach.
Davon zu unterscheiden ist der Zoomfaktor. Er beschreibt nur das Verhältnis von längster zu kürzester Brennweite eines Zoomobjektivs und sagt nichts über die Reichweite. Ein 18-55 mm und ein 100-300 mm haben jeweils rund dreifachen Zoom, holen aber sehr unterschiedlich weit heran. Den Rechenweg zeigt der Beitrag Vergrößerung des Teleobjektivs berechnen.
Der enge Ausschnitt hat einen gestalterischen Nebeneffekt: Es ist weniger Umgebung im Bild, Ablenkungen am Rand und im Hintergrund lassen sich leichter ausblenden. Bei gleicher Aufnahmeentfernung nimmt außerdem die Schärfentiefe ab. Das Hauptmotiv hebt sich dadurch deutlicher vom Hintergrund ab.
Die Vergrößerung gilt aber auch für jede Bewegung der Kamera. Ohne Stabilisator lautet die Faustregel: Verschlusszeit höchstens 1/(kleinbildäquivalente Brennweite). Für 300 mm an APS-C sind das etwa 1/450 s, praktisch also 1/500 s.
Vor- und Nachteile von Teleobjektiven und deren Brennweite in der Fotografie
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Holen weit entfernte Motive nah heran. | Lange Brennweiten bedeuten oft große und schwere Objektive. |
| Geringe Schärfentiefe hebt das Hauptmotiv hervor. | Lichtstarke Teleobjektive gehören meist zur Oberklasse. |
| Details und Verhalten von Tieren oder Sportlern lassen sich aus Abstand festhalten. | Festbrennweiten erlauben keinen schnellen Wechsel des Ausschnitts. |
| Für Porträts geeignet, weil das Gesicht aus größerer Entfernung natürlich proportioniert wirkt. | Verwacklungen werden mit der Brennweite stärker sichtbar. |
| Der enge Ausschnitt reduziert Ablenkungen im Hintergrund. | Ein langsamer Autofokus erschwert bewegte Motive. |
Die Rolle der Brennweite in der Perspektive
Ein verbreitetes Missverständnis: Die Perspektive, also das Größenverhältnis zwischen Vorder- und Hintergrund, hängt nicht von der Brennweite ab, sondern vom Aufnahmestandort. Die Brennweite legt fest, welcher Ausschnitt aus dieser Perspektive ins Bild kommt. Weil Sie mit einem Teleobjektiv meist weiter entfernt stehen, um ein Motiv bildfüllend zu zeigen, wirken Tele-Aufnahmen trotzdem typisch anders.
- Nahe Standorte mit Weitwinkel: Nahe Objekte erscheinen viel größer als entfernte. Kippen Sie die Kamera, entstehen stürzende Linien, und Motive am Bildrand wirken gedehnt. Das lässt sich bewusst für dramatische Wirkung nutzen.
- Kompression mit Tele: Aus großer Entfernung schrumpfen die Größenunterschiede zwischen Vorder- und Hintergrund. Ebenen rücken optisch zusammen, das Bild wirkt flacher und dichter. Mehr dazu im Beitrag zur Tele-Kompression.
- Hintergrundunschärfe: Der enge Bildwinkel zeigt nur einen kleinen, stark vergrößerten Teil des Hintergrunds. Bei offener Blende wirkt er dadurch ruhiger und weicher.
- Bildwirkung: Lange Brennweiten erzeugen oft einen intimen, konzentrierten Eindruck, kurze Brennweiten eher Weite und Raum.
Teleobjektive für Porträtfotografie
Im Porträt nutzen viele Fotografen kurze Telebrennweiten. Der Grund liegt im Abstand: Aus einigen Metern Entfernung werden Nase und Kinn nicht übertrieben groß abgebildet, das Gesicht wirkt natürlich proportioniert. Gleichzeitig lässt sich der Hintergrund gut in Unschärfe auflösen.
- Brennweite: Üblich sind etwa 85 bis 135 mm Kleinbild. Sie arbeiten aus angenehmer Entfernung, ohne dem Modell zu nahe zu kommen. Längere Brennweiten bis etwa 200 mm stellen noch stärker frei, brauchen aber mehr Platz.
- Blende: Lichtstarke Objektive mit f/1,8 oder f/2,8 ermöglichen geringe Schärfentiefe und weiches Bokeh.
- Bildstabilisierung: Ein Stabilisator im Objektiv oder in der Kamera hilft gegen Verwacklung aus der Hand. Gegen Bewegungen des Modells hilft nur eine kurze Verschlusszeit.
Teleobjektive in der Tierfotografie
In der Tierfotografie erlaubt das Teleobjektiv, Abstand zu halten und Tiere nicht zu stören. Die Vergrößerung macht Gefieder, Fellstruktur und Verhalten sichtbar, die aus der Entfernung mit bloßem Auge kaum zu erkennen sind.
- Brennweite: Gängig sind etwa 200 bis 600 mm Kleinbild. Für scheue Tiere und kleine Vögel ist das obere Ende hilfreich, für größere Tiere in überschaubarer Distanz reicht oft weniger.
- Lichtstärke: Lange Brennweiten mit f/2,8 oder f/4 sind groß, schwer und gehören zur Oberklasse. Viele Telezooms arbeiten am langen Ende mit f/5,6 bis f/6,3 und brauchen bei schwachem Licht höhere ISO-Werte.
- Autofokus: Ein schneller, zuverlässiger Autofokus mit Nachführung erleichtert Aufnahmen von bewegten Tieren.
- Wetterschutz: Wer bei Regen oder Staub arbeitet, achtet auf eine Abdichtung laut Herstellerangabe.
Verwendung von Teleobjektiven in der Sportfotografie
Im Sport bringt die Reichweite den Vorteil, vom Spielfeldrand oder von der Tribüne aus formatfüllend zu fotografieren, ohne den Ablauf zu stören. Das gilt bei Fußball, Basketball oder Motorsport.
- Bewegungsunschärfe: Um schnelle Bewegungen einzufrieren, brauchen Sie kurze Verschlusszeiten. Dafür ist Lichtstärke hilfreich, weil sie kürzere Zeiten bei vertretbarer ISO erlaubt.
- Fokussierung: Ein schneller Autofokus mit kontinuierlicher Nachführung ist hier besonders wichtig.
- Bildstabilisierung: Der Stabilisator mindert Verwacklung bei langen Brennweiten, verhindert aber keine Bewegungsunschärfe der Sportler. Manche Stabilisatoren bieten einen eigenen Modus für Mitzieher.
- Wetterschutz: Bei Veranstaltungen im Freien ist ein abgedichtetes Objektiv laut Herstellerangabe von Vorteil.
Brennweite und Schärfentiefe
Bei gleicher Aufnahmeentfernung und gleicher Blende sinkt die Schärfentiefe mit wachsender Brennweite. Nur ein schmaler Bereich bleibt scharf, der Hintergrund verschwimmt. Ein 200-mm-Porträt bei offener Blende zeigt das Gesicht scharf vor einem weichen Hintergrund.
Kurze Brennweiten haben bei gleicher Entfernung eine größere Schärfentiefe. Das hilft in der Landschaftsfotografie, wenn vom Vordergrund bis zum Horizont möglichst viel scharf sein soll.
Die Blende wirkt zusätzlich: Eine offene Blende wie f/2,8 verringert die Schärfentiefe, eine geschlossene wie f/8 oder f/11 vergrößert sie. Auch die Distanz zählt. Je näher das Motiv, desto geringer die Schärfentiefe. Mit Brennweite, Blende und Abstand haben Sie also drei Stellgrößen.
Unterschiede zwischen Festbrennweiten und Zoom-Teleobjektiven
- Flexibilität: Ein Telezoom ändert den Ausschnitt ohne Objektivwechsel. Das hilft, wenn sich Motive und Entfernungen schnell ändern, etwa bei Sport und Tieren.
- Bildqualität: Festbrennweiten sind auf eine einzige Brennweite optimiert und erreichen dadurch oft eine sehr hohe Abbildungsleistung. Hochwertige Zooms kommen heute aber nahe heran. Pauschal lässt sich das nicht entscheiden.
- Lichtstärke: Festbrennweiten bieten meist eine größere Anfangsöffnung als Zooms im selben Bereich.
- Gewicht und Größe: Kurze Tele-Festbrennweiten wie 85 oder 135 mm sind oft kompakter als ein lichtstarkes 70-200-mm-Zoom. Lange, lichtstarke Festbrennweiten ab 300 mm sind dagegen groß und schwer.
- Preisklasse: Kurze Festbrennweiten gibt es oft schon in der Einsteiger- und Mittelklasse. Lange, lichtstarke Festbrennweiten liegen in der Oberklasse.
Praktische Tipps zur Auswahl eines Teleobjektivs
- Verwendungszweck klären: Tiere, Sport oder Porträts verlangen unterschiedliche Brennweiten und Lichtstärken.
- Vor dem Kauf ausprobieren: Leihen Sie ein Objektiv oder probieren Sie es im Fachgeschäft aus. So prüfen Sie Handhabung, Gewicht und Bedienung selbst.
- Gewicht bedenken: Lange Brennweiten sind schwer. Das Objektiv sollte sich über Stunden halten lassen, sonst brauchen Sie ein Einbein- oder Dreibeinstativ.
- Unabhängige Tests lesen: Fachmagazine mit eigenen Messungen geben Einblick in Schärfe, Autofokus und Schwächen einzelner Modelle.
- Bajonett prüfen: Ein Objektiv passt nur an das passende Bajonett, etwa Canon EF, Nikon F oder Sony E, oder über einen vom Hersteller freigegebenen Adapter. Maßgeblich ist die Herstellerangabe.
- Budget festlegen: Teleobjektive gibt es von der Einsteiger- bis zur Oberklasse. Planen Sie Zubehör wie Stativschelle, Filter oder Tasche mit ein.
Beispiele für verbreitete Teleobjektiv-Gattungen und ihre Brennweiten
- 70-200 mm mit f/2,8: Lichtstarke Telezooms, wie sie etwa Canon, Nikon und Sony anbieten. Einsatz bei Porträt, Sport und Veranstaltungen.
- 70-200 oder 70-210 mm mit f/4: Leichter und kompakter als die f/2,8-Varianten, bei etwas weniger Lichtstärke.
- 70-300 mm: Verbreitete Telezooms der Einsteiger- und Mittelklasse für den Einstieg in Tier- und Sportfotografie.
- 100-400 und 150-600 mm: Superzooms für große Reichweite, unter anderem von Sigma und Tamron. Typisch für Wildlife und Vögel.
- 85 und 135 mm Festbrennweite: Lichtstarke kurze Teles, vor allem für Porträts.
Genannte Objektive
Objektive, die dieser Beitrag behandelt:
Zoomobjektive
- Canon EF 70-200 mm f/2.8L IS III USM
- Nikon AF-S 70-200 mm f/2.8E FL ED VR
- Sony FE 70-200 mm f/2.8 GM OSS
- Tamron 70-210 mm f/4 Di VC USD
- Sigma 150-600 mm f/5-6.3 DG OS HSM Contemporary
Kurz gesagt
- Die Brennweite bestimmt Bildwinkel und Abbildungsgröße, der Standort bestimmt die Perspektive.
- Brennweite geteilt durch 50 ergibt grob die Vergrößerung am Kleinbild, der Crop-Faktor verengt nur den Bildwinkel.
- Längere Brennweite, offene Blende und kurze Distanz verringern die Schärfentiefe.
- Mit der Brennweite steigt die Verwacklungsgefahr: kurze Verschlusszeiten, Stabilisator oder Stativ einplanen.
Wichtige Fragen zur Brennweite und Teleobjektiven
Was versteht man unter Brennweite bei Teleobjektiven?
Die Brennweite ist der Abstand zwischen der Hauptebene des Objektivs und dem Brennpunkt, wenn auf unendlich scharfgestellt ist. Sie bestimmt Bildwinkel und Abbildungsgröße. Teleobjektive haben lange Brennweiten und sind durch ihre Bauweise meist kürzer als die Brennweite selbst.
Wie berechnet man den Zoom eines Teleobjektivs?
Der Zoomfaktor ist die längste geteilt durch die kürzeste Brennweite. Ein 70-300-mm-Objektiv hat einen Faktor von 300/70, also rund 4,3. Über die Reichweite sagt das nichts. Dafür gilt am Kleinbild grob: Brennweite geteilt durch 50 ergibt die Vergrößerung gegenüber dem natürlichen Sehen.
Wie beeinflusst die Brennweite die Schärfentiefe?
Bei gleicher Entfernung und Blende führt eine längere Brennweite zu geringerer Schärfentiefe. Nur ein schmaler Bereich bleibt scharf, der Hintergrund verschwimmt. Offene Blende und kurze Distanz verstärken den Effekt.
Warum eignen sich Teleobjektive für die Tierfotografie?
Sie erlauben es, Abstand zu halten und Tiere nicht zu stören. Die Vergrößerung macht Details und Verhalten sichtbar, die aus der Entfernung sonst kaum zu erkennen sind.
Welche Rolle spielt die Brennweite in der Sportfotografie?
Lange Brennweiten erlauben formatfüllende Aufnahmen vom Spielfeldrand oder von der Tribüne. Gegen Bewegungsunschärfe der Sportler helfen kurze Verschlusszeiten, ein Bildstabilisator mindert nur das Verwackeln der Kamera.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Mehr dazu