Telebrennweiten & Bildwinkel Redaktion Teleobjektiv · Stand
Inhalt 8 Abschnitte
Mit einem 400-mm-Objektiv an einer Vollformatkamera beträgt der diagonale Bildwinkel nur etwa 6,2 Grad. Das ist ein winziger Ausschnitt der Szene, und genau darin liegt die Stärke langer Brennweiten: Sie isolieren das Motiv. Welcher Ausschnitt tatsächlich entsteht, hängt aber nicht allein vom Objektiv ab. Mitentscheidend sind die Größe des Sensors und der Abstand zum Motiv. Die folgenden Abschnitte ordnen diese Größen und zeigen, was sie für die Wahl und den Einsatz eines Teleobjektivs bedeuten.
Wie Brennweite und Bildwinkel zusammenhängen
Je länger die Brennweite, desto enger der Bildwinkel. Der diagonale Bildwinkel α folgt aus der Formel α = 2 × arctan(d / (2 × f)), wobei d die Sensordiagonale und f die Brennweite ist. Für Kleinbild- beziehungsweise Vollformat mit einer Diagonale von rund 43 mm ergeben sich diese Näherungswerte:
| Brennweite | Diagonaler Bildwinkel (Vollformat) | Einordnung |
|---|---|---|
| 50 mm | etwa 47° | Normalbrennweite |
| 135 mm | etwa 18° | kurzes Tele |
| 200 mm | etwa 12° | mittleres Tele |
| 400 mm | etwa 6,2° | langes Tele |
| 600 mm | etwa 4,1° | Supertele |
| 800 mm | etwa 3,1° | Supertele |
Der Zusammenhang ist nicht linear. Der Sprung von 400 auf 600 mm verengt den Bildwinkel nur um gut zwei Grad, vergrößert das Motiv im Bild um die Hälfte. Entscheidend für die Bildwirkung ist deshalb das Verhältnis der Brennweiten, nicht die Differenz in Millimetern. Mehr zur Gestaltung mit engen Winkeln finden Sie im Beitrag Der Bildwinkel von Teleobjektiven.
Sensorgröße und äquivalente Brennweite
Der Bildwinkel hängt von Brennweite und Sensorformat ab. Die Brennweite ist eine Eigenschaft des Objektivs und bleibt gleich, egal an welcher Kamera es sitzt. Was sich ändert, ist der Ausschnitt, den der Sensor aus dem Bildkreis erfasst. Um Formate vergleichbar zu machen, rechnet man mit der kleinbildäquivalenten Brennweite: Brennweite mal Crop-Faktor.
- APS-C: Crop-Faktor etwa 1,5 (Canon etwa 1,6). Ein 300-mm-Objektiv zeigt den Ausschnitt eines 450-mm-Objektivs am Vollformat, bei Canon APS-C etwa den eines 480-mm-Objektivs. Der diagonale Bildwinkel liegt bei rund 5,5°.
- Micro Four Thirds: Crop-Faktor 2,0. Aus 300 mm werden 600 mm Äquivalent.
- Vollformat: Faktor 1,0, die Brennweite entspricht direkt dem Kleinbild-Maßstab.
Die kleineren Formate bringen also Reichweite mit, ohne dass das Objektiv länger wird. Dafür erfassen sie weniger Licht und bei gleicher Blende und gleichem Ausschnitt eine größere Schärfentiefe. Ob das ein Vor- oder ein Nachteil ist, hängt vom Motiv ab.
Perspektivkompression entsteht durch den Abstand
Teleaufnahmen wirken gedrängt: Vorder- und Hintergrund scheinen näher beieinander zu liegen. Verantwortlich dafür ist nicht die Optik, sondern die große Aufnahmedistanz, die lange Brennweiten erlauben und oft erfordern. Ein Rechenbeispiel zeigt das. Steht ein Baum 50 m und ein zweiter 60 m von der Kamera entfernt, erscheint der hintere Baum bei gleicher Größe nur noch zu 83 Prozent so groß wie der vordere. Stehen die Bäume dagegen 20 m und 30 m entfernt, schrumpft er auf 67 Prozent. Je weiter man sich entfernt, desto ähnlicher erscheinen die Größen, und der Raum wirkt flacher.
Wer dieselbe Szene mit kurzer Brennweite aus der Nähe aufnimmt, bekommt eine andere Perspektive, obwohl Sensor und Motiv gleich sind. Schneidet man ein Weitwinkelbild aus großem Abstand auf den gleichen Ausschnitt zu, entsteht dagegen dieselbe Perspektive wie mit dem Teleobjektiv, nur mit weniger Auflösung. Das Tele ersetzt also den Zuschnitt, nicht die Perspektive.
Gestalterisch nutzt man das bei Sportaufnahmen, bei denen ein Läufer vor einer dichten Zuschauerkulisse steht, oder in der Landschaft, wenn eine Bergkette hinter einem Dorf rückt. Bei sehr langen Brennweiten ab 500 mm, wie sie die Supertele-Objektive bieten, wirkt auch der Mond hinter einem Motiv groß.
Schärfentiefe und Freistellung steuern
Die Hintergrundunschärfe hängt bei gleichem Abbildungsmaßstab vom Verhältnis aus Brennweite und Blendenzahl ab. Ein 400-mm-Objektiv bei f/5.6 (Verhältnis etwa 71) erzeugt bei gleichem Bildausschnitt eine stärkere Unschärfe als ein 50-mm-Objektiv bei f/1.4 (etwa 36). Das erklärt, warum Telezooms trotz kleiner Anfangsöffnung gut freistellen. Vier Stellschrauben helfen in der Praxis:
- Hintergrundabstand: Je weiter der Hintergrund hinter dem Motiv liegt, desto weicher wird er. Bei 300 mm genügen oft schon einige Meter.
- Motivabstand: Wer näher ans Motiv geht, verringert die Schärfentiefe, unabhängig von der Blende.
- Blende: Eine offenere Blende vergrößert die Unschärfe. Eine geschlossene Blende wie f/8 schärft die Ränder, verringert aber die Freistellung.
- Brennweite: Wer von 100 auf 200 mm wechselt und durch Zurückgehen den Ausschnitt gleich hält, erhöht die Unschärfe im Hintergrund spürbar.
Beim Porträt hat sich der Bereich zwischen 85 und 135 mm bewährt, weil die Gesichtsproportionen natürlich bleiben. Mit mehr Brennweite und größerem Abstand wirkt das Gesicht flacher. Das ist ein bewusstes Stilmittel in der Beauty- und Modefotografie, im klassischen Porträt stört es oft. Auch hier spielt der Arbeitsabstand eine Rolle: Aus anderthalb Metern entsteht ein anderes Bild als aus vier Metern.
Vollformat, APS-C und Micro Four Thirds im Vergleich
Die tatsächliche Brennweite eines Objektivs ist eine physikalische Konstante. Nur der Sensor entscheidet, welchen Ausschnitt er davon sieht. Dazu kommt ein Punkt, der oft übersehen wird: Die Schärfentiefe passt sich nicht im gleichen Maß an wie der Bildwinkel. Ein 300-mm-Objektiv mit f/2.8 an APS-C zeigt zwar den Ausschnitt von 450 mm, liefert beim gleichen Motivabstand aber mehr Schärfentiefe als ein 450-mm-Objektiv am Vollformat. Rechnerisch entspricht die Wirkung etwa Blende f/4.2 am Vollformat. Wer die Freistellung eines Vollformat-Setups erwartet, wird mit dem kleineren Sensor enttäuscht.
Micro Four Thirds rechnet bequem mit dem Faktor 2. Ein 300-mm-Objektiv bietet 600 mm Äquivalent, ein 400-mm-Objektiv 800 mm. Für die Tierfotografie ist es vorteilhaft, dass Objektive und Gehäuse bei gleicher Reichweite in der Regel kleiner und leichter ausfallen. Ein Beispiel für die Einsatzbereiche dieses Systems liefert die Übersicht Olympus-Zuiko-Teleobjektive. Der Nachteil liegt im kleineren Sensor: Bei hohen ISO-Werten rauscht er bei gleicher Belichtung in der Regel stärker, auch wenn neuere Sensoren den Abstand verkleinert haben.
Am Vollformat arbeiten 500- und 600-mm-Festbrennweiten mit ihrer echten Brennweite. Bei 800 mm beträgt der Bildwinkel nur noch rund 3,1°, was die Motivsuche aus der Hand deutlich erschwert. Beispiele dafür sind Nikon-Teleobjektive mit 800 mm und das 800-mm-Teleobjektiv von Sony. Solche Brennweiten verlangen Stativ oder Gimbal und viel Übung.
Für die Systemwahl ergibt sich: Wer maximale Reichweite mit wenig Gepäck sucht, ist mit Micro Four Thirds gut bedient. Wer bei wenig Licht die beste Bildqualität braucht, profitiert vom größeren Sensor. APS-C liegt dazwischen und ist sinnvoll, wenn vorhandene Objektive weiterverwendet werden. Den Crop-Faktor sollte man nie als kostenlosen Reichweitengewinn verstehen, denn er verengt den Ausschnitt, ersetzt aber keine Sensorfläche.
Vor- und Nachteile langer Brennweiten
| Vorteile | Nachteile |
|---|---|
| Motiv wird durch den engen Bildwinkel isoliert | Geringe Schärfentiefe, Fokus muss exakt sitzen |
| Perspektivkompression für dichte Bildwirkung | Gesichter wirken ab etwa 200 mm flach |
| Motive aus großer Distanz erreichbar | Gewicht und Größe, oft Stativ oder Stütze nötig |
| Gut für Natur und Sport | Verwacklungsgefahr steigt mit der Brennweite |
| Starke Hintergrundunschärfe möglich | Mittel- bis Oberklasse bei lichtstarken Modellen |
Kurz gesagt
- Der Bildwinkel folgt aus Brennweite und Sensorgröße. Die Brennweite selbst ändert der Sensor nicht.
- Die äquivalente Brennweite ist Brennweite mal Crop-Faktor, also 1,5 oder 1,6 bei APS-C und 2,0 bei Micro Four Thirds.
- Kompression kommt vom Abstand zum Motiv, nicht von der Optik.
- Für die Freistellung zählen Brennweite, Blende sowie Motiv- und Hintergrundabstand gemeinsam.
Häufige Fragen zu Telebrennweiten und Bildwinkel
Was gilt als Telebrennweite?
Als Tele gelten Brennweiten ab etwa 70 mm, bezogen auf das Kleinbildformat. Sie erzeugen einen engen Bildwinkel und holen entfernte Motive näher heran.
Wie beeinflusst der Bildwinkel das Foto?
Der Bildwinkel bestimmt, wie viel von der Szene aufgenommen wird. Ein enger Winkel isoliert das Motiv und lässt Vorder- und Hintergrund gedrängt wirken, wenn man aus großem Abstand fotografiert.
Welche Rolle spielt der Sensor bei Teleobjektiven?
Die Sensorgröße bestimmt den Ausschnitt. Die Brennweite des Objektivs bleibt gleich, aber der Bildwinkel entspricht bei APS-C etwa dem einer um den Faktor 1,5 oder 1,6 längeren Brennweite am Vollformat, bei Micro Four Thirds dem Faktor 2.
Wie lässt sich die Schärfentiefe mit langen Brennweiten steuern?
Die Schärfentiefe sinkt mit längerer Brennweite, offener Blende und kürzerem Abstand zum Motiv. Ein größerer Abstand zwischen Motiv und Hintergrund verstärkt die Freistellung zusätzlich.
Was spricht für lange Brennweiten?
Sie isolieren Motive, ermöglichen Aufnahmen aus der Distanz und erzeugen eine verdichtete Perspektive. Dem stehen Gewicht, geringe Schärfentiefe und höhere Verwacklungsgefahr gegenüber.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Mehr dazu