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Teleobjektiv

Lichtstärke, Schärfentiefe, Bokeh Redaktion Teleobjektiv · Stand

Teleobjektiv lichtstark: Auswahl für Aufnahmen bei wenig Licht

Inhalt 14 Abschnitte

Lichtstärke verstehen: Blendenzahl und Blendenstufen

Die Lichtstärke eines Objektivs wird als kleinste einstellbare Blendenzahl angegeben, etwa f/2.8. Die Blendenzahl ist die Brennweite geteilt durch den Durchmesser der Eintrittsöffnung. Ein 200-mm-Objektiv mit f/2.8 braucht deshalb eine Öffnung von rund 71 mm, bei f/5.6 genügen etwa 36 mm.

Daraus folgt, warum lichtstarke Teleobjektive groß und schwer ausfallen: Je länger die Brennweite, desto größer muss die Frontlinse bei gleicher Blendenzahl sein. Eine Festbrennweite von 85 mm mit f/1.4 ist deshalb deutlich handlicher als ein 300-mm-Objektiv mit f/2.8.

Eine Blendenstufe entspricht dem Faktor zwei bei der Lichtmenge. Von f/2.8 auf f/4 halbiert sich das einfallende Licht, von f/2.8 auf f/5.6 bleibt nur noch ein Viertel. Dieselbe Rechnung gilt umgekehrt: Wer von f/5.6 auf f/2.8 wechselt, kann die Verschlusszeit um den Faktor vier verkürzen oder den ISO-Wert auf ein Viertel senken.

Was mehr Licht in der Praxis bringt

Ein lichtstarkes Objektiv verschiebt drei Stellgrößen zugleich zu Ihren Gunsten. Es erlaubt kürzere Verschlusszeiten, einen niedrigeren ISO-Wert oder eine Mischung aus beidem. Jede gewonnene Blendenstufe halbiert zum Beispiel den nötigen ISO-Wert von 3200 auf 1600, ohne dass die Belichtung leidet. Das Bildrauschen sinkt entsprechend.

Hinzu kommt der Autofokus. Phasen- und Kontrastsysteme arbeiten bei wenig Licht zuverlässiger, wenn mehr Licht am Sensor ankommt. Bei lichtschwachen Objektiven mit großer Blendenzahl kann die Fokussierung in der Dämmerung merklich zögern. Das gilt besonders, wenn zusätzlich ein Telekonverter im Strahlengang sitzt.

Der Sucher bleibt bei Spiegelreflexkameras ebenfalls heller, solange die Blende offen ist. Moderne spiegellose Kameras gleichen das elektronisch aus, sodass dieser Vorteil dort weniger ins Gewicht fällt.

Rechenbeispiel: dieselbe Szene mit zwei Objektiven

Angenommen, eine Szene verlangt bei f/5.6 den Wert ISO 6400, um 1/500 s zu halten. Setzen Sie ein f/2.8-Objektiv gleicher Brennweite ein, gelingt dieselbe Belichtung mit ISO 1600. Das Rauschen ist spürbar geringer, die Zeit bleibt gleich. Alternativ behalten Sie ISO 6400 und verkürzen auf 1/2000 s. Dann frieren Sie auch schnelle Flügelschläge oder Spielzüge ein.

Beide Wege sind zwei Seiten derselben Rechnung. Welchen Sie wählen, hängt vom Motiv ab: Ein ruhiger Ansitz im Wald profitiert vom niedrigeren ISO-Wert, ein Handballspiel von der kürzeren Zeit.

Verwackeln und Bewegungsunschärfe sind zwei verschiedene Probleme

Verwacklungsunschärfe entsteht durch die Bewegung der Kamera. Als Faustregel gilt ohne Stabilisator eine Verschlusszeit von höchstens 1/(äquivalente Brennweite). Ein 200-mm-Objektiv an einer APS-C-Kamera mit Crop-Faktor 1,5 entspricht kleinbildäquivalent 300 mm, die Verschlusszeit sollte dann bei 1/300 s oder kürzer liegen.

Ein Bildstabilisator verlängert die noch sichere Zeit aus der Hand. Er hilft aber nicht gegen Bewegungsunschärfe des Motivs. Ein laufender Hund oder ein Spieler in der Halle bewegt sich während der Belichtung, auch wenn die Kamera ruhig liegt. Hier zählt eine kurze Verschlusszeit, und die erreichen Sie bei wenig Licht nur mit offener Blende, höherem ISO-Wert oder beidem. Für bewegte Motive sind häufig Zeiten von 1/500 s und kürzer nötig.

Lichtstärke und Stabilisator ergänzen sich also, ersetzen sich aber nicht. Der Stabilisator sichert statische Motive aus der Hand ab, die Lichtstärke friert Bewegung ein.

Blendenbereiche der Teleobjektiv-Gattungen im Überblick

Typischer BlendenbereichGattungHinweise zum Einsatz
f/1.2 bis f/1.8Festbrennweiten um 85 mm und 135 mmSehr gute Freistellung, Porträts und Veranstaltungen, begrenzte Reichweite
f/2.8 durchgehend70-200-mm-Zooms, lange FestbrennweitenUniversell bei Sport und Tieren, größer und schwerer
f/4 durchgehend70-200-mm-Zooms in kompakter BauweiseEine Stufe weniger Licht, dafür leichter zu tragen
f/4.5 bis f/6.3Telezooms wie 100-400 mm und 150-600 mmGroße Reichweite, bei Dämmerung höhere ISO-Werte nötig

Die Tabelle beschreibt Gattungen, keine einzelnen Modelle. Konkrete Blenden und Gewichte nennt der Hersteller im Datenblatt des jeweiligen Objektivs.

Schärfentiefe und Hintergrund bei offener Blende

Die Schärfentiefe sinkt mit längerer Brennweite, offener Blende und kürzerer Aufnahmeentfernung. Ein lichtstarkes Teleobjektiv bei Offenblende vereint die ersten beiden Faktoren. Die Folge ist ein Hintergrund, der weich verläuft, und ein Motiv, das sich deutlich löst. Bei Porträts ist das erwünscht.

Bei Tieren oder Gruppen kann der schmale Schärfebereich dagegen stören: Schon bei einem Vogel im Profil liegt die Schwanzspitze unter Umständen außerhalb der Schärfeebene. Dann hilft es, ein bis zwei Stufen abzublenden. Bei vielen Objektiven steigt dabei außerdem die Randschärfe, ein allgemeiner Erfahrungswert, den Sie am eigenen Objektiv prüfen können.

Das Sensorformat verschiebt diese Rechnung. Die Lichtmenge je Fläche hängt allein von der Blendenzahl ab, die Schärfentiefe dagegen vom Bildwinkel mit. Ein Objektiv mit f/2.8 an einer APS-C-Kamera (Crop-Faktor etwa 1,5) bildet bei gleichem Bildausschnitt mit einer Schärfentiefe ab, die an Kleinbild etwa f/4.2 entspräche. Die Belichtung bleibt davon unberührt, die Freistellung fällt jedoch etwas schwächer aus als am Kleinbildsensor. An Micro Four Thirds mit Faktor 2,0 verdoppelt sich dieser Effekt.

Einsatzgebiete bei schlechtem Licht

Tierfotografie. Tiere sind in der Dämmerung und im frühen Morgenlicht aktiv, also genau dann, wenn das Licht knapp wird. Lange Brennweiten halten den nötigen Abstand, hohe Lichtstärke erlaubt die kurzen Zeiten, die für Bewegung im Fell oder Gefieder nötig sind.

Sport in Hallen und bei Flutlicht. Hier wechselt das Licht, und die Motive sind schnell. Offene Blende, ein schneller Autofokus und ein hoher ISO-Wert gehören zusammen.

Porträts und Veranstaltungen. Mit Brennweiten ab 85 mm bleiben Sie auf Distanz und stören die Szene nicht. Die große Blendenöffnung sorgt für saubere Belichtung bei Raumlicht.

Landschaft in der Dämmerung. Hier ist Lichtstärke weniger entscheidend, als häufig behauptet wird. Das Motiv bewegt sich kaum, mit Stativ lassen sich lange Belichtungszeiten und niedrige ISO-Werte kombinieren. Ein lichtstarkes Objektiv ist hier ein Komfortgewinn, keine Voraussetzung.

Zoom oder Festbrennweite bei wenig Licht

Festbrennweiten erreichen meist größere Öffnungen als Zooms derselben Brennweite und sind bei gleicher Lichtstärke oft kleiner. Dafür bestimmen Sie den Bildausschnitt mit den Füßen. Das passt zu ruhigen Situationen wie Porträts, Konzerten oder Theater, in denen Sie die Position vorab wählen.

Ein Zoom mit durchgehender Blende ist flexibler, wenn sich der Abstand zum Motiv laufend ändert, etwa im Sport oder auf Veranstaltungen. Sie verlieren ein bis zwei Blendenstufen gegenüber lichtstarken Festbrennweiten, gewinnen aber die Möglichkeit, den Ausschnitt ohne Objektivwechsel anzupassen.

Wer sehr weit entfernte Tiere fotografiert, kommt an langen Telezooms mit veränderlicher Blende kaum vorbei, da lichtstarke Optiken dieser Brennweite sehr groß und schwer werden. Bei Tageslicht ist das unproblematisch, in der Dämmerung gleichen Sie es über den ISO-Wert aus.

Auswahlkriterien für ein lichtstarkes Teleobjektiv

  • Einsatzzweck: Er bestimmt, wie viel Reichweite und Lichtstärke nötig sind (siehe auch Brennweiten und Einsatzzwecke).
  • Blende durchgehend oder veränderlich: Bei Zooms mit durchgehender Blende bleibt die Lichtstärke über den ganzen Brennweitenbereich gleich, bei veränderlicher Blende sinkt sie zum Telende hin.
  • Bildstabilisierung: Ob sie im Objektiv, in der Kamera oder in beiden sitzt, richtet sich nach dem System. Die Bezeichnungen reichen von IS über VR bis OSS.
  • Gewicht und Größe: Was Sie lange tragen müssen, setzt eine praktische Grenze. Ein Stativ mit Kugelkopf oder Gimbal entlastet bei schweren Objektiven.
  • Bajonett: Ein Objektiv passt nur an das passende Bajonett oder über einen vom Hersteller freigegebenen Adapter, etwa Canon EF und RF, Nikon F und Z oder Sony E. Die Herstellerangaben nennen die Kombinationen.
  • Preisklasse: Lichtstarke Teleobjektive liegen meist in der Mittel- bis Oberklasse. Einsteigerklasse-Zooms sind lichtschwächer, aber leichter.

Die Kamerahersteller bieten 70-200-mm-Zooms mit durchgehender Blende f/2.8 für ihre Systeme an, daneben lichtstarke Festbrennweiten für Porträts. Unabhängige Fachberichte und ein Ausprobieren oder Leihen vor dem Kauf zeigen, wie ein Objektiv im eigenen Einsatz arbeitet.

Fokussieren bei knappem Licht

Der Autofokus braucht Kontrast. Setzen Sie das Messfeld auf eine Kante oder eine helle Struktur, etwa den Augenbereich eines Tieres, statt auf eine gleichförmige Fläche. Ein einzelnes Messfeld ist bei wenig Licht oft zuverlässiger als eine große Fläche mit vielen Feldern.

Bei ruhenden Motiven auf dem Stativ ist die Lupenfunktion im Live-View eine gute Hilfe. Mit offener Blende ist die Schärfentiefe klein, daher zählen schon Millimeter. Kontrollieren Sie eine Probeaufnahme in der Vergrößerung, bevor das Licht ganz verschwindet.

Einstellungen und Technik bei wenig Licht

  • Blende: Beginnen Sie mit der größten Öffnung, wenn die Verschlusszeit sonst zu lang wird. Ist das Motiv ruhig, blenden Sie ein bis zwei Stufen ab.
  • ISO: Heben Sie den Wert an, bis die Verschlusszeit zum Motiv passt. Etwas Rauschen lässt sich nachbearbeiten, eine verwackelte oder bewegungsunscharfe Aufnahme nicht.
  • Dateiformat: Das RAW-Format hält mehr Spielraum für Belichtung, Weißabgleich und Rauschminderung bereit.
  • Stütze: Stativ, Einbeinstativ oder eine feste Auflage entlasten bei langen Brennweiten. Bei Stativ mit eingeschalteter Bildstabilisierung gilt die Herstellerangabe zum Abschalten.
  • Telekonverter: Er verlängert die Brennweite, kostet aber Licht: ein 1,4-facher eine Blendenstufe, ein 2-facher zwei. Aus f/2.8 wird f/4 beziehungsweise f/5.6, und der Autofokus kann langsamer werden.
  • Vorhandenes Licht: Straßenlaternen, Fenster oder Flutlicht liefern gerichtetes Licht, das Sie bei der Positionierung nutzen können.

Genannte Objektive

Objektive, die dieser Beitrag behandelt:

Zoomobjektive

  • Canon EF 70-200mm f/2.8L IS III USM
  • Canon RF 70-200mm f/2.8L IS USM
  • Nikon AF-S 70-200mm f/2.8E FL ED VR
  • Nikon Z 70-200mm f/2.8 VR S
  • Sony FE 70-200mm f/2.8 GM OSS
  • Canon EF 100-400mm f/4.5-5.6L IS II USM
  • Sony FE 100-400mm f/4.5-5.6 GM OSS
  • Sony FE 200-600mm f/5.6-6.3 G OSS

Festbrennweiten

  • Canon RF 85mm f/1.2L USM
  • Nikon Z 85mm f/1.8 S
  • Sony FE 85mm f/1.4 GM
  • Nikon AF-S 300mm f/2.8G ED VR II

Kurz gesagt

  • Eine Blendenstufe verdoppelt oder halbiert die Lichtmenge; f/2.8 sammelt gegenüber f/5.6 viermal so viel Licht.
  • Lichtstärke friert Motivbewegung ein, ein Stabilisator dämpft nur das Verwackeln der Kamera.
  • Lichtstarke Teleobjektive sind groß, weil die Frontlinse mit der Brennweite wächst.
  • Bei Landschaft mit Stativ ist Lichtstärke weniger wichtig als bei Tieren und Sport.

Häufige Fragen zu lichtstarken Teleobjektiven

Was ist ein lichtstarkes Teleobjektiv?

Ein lichtstarkes Teleobjektiv hat eine große maximale Blendenöffnung, also eine kleine Blendenzahl wie f/2.8. Es lässt bei offener Blende mehr Licht auf den Sensor und erlaubt dadurch kürzere Verschlusszeiten oder niedrigere ISO-Werte.

Welche Vorteile und Nachteile haben lichtstarke Teleobjektive?

Sie ermöglichen kurze Verschlusszeiten bei wenig Licht und eine geringe Schärfentiefe mit weichem Hintergrund. Dafür sind sie größer und schwerer, und die Anschaffung liegt meist in der Mittel- bis Oberklasse.

Wie wähle ich das passende lichtstarke Teleobjektiv?

Entscheidend sind Einsatzzweck und Brennweite, danach die Anfangsblende, die Bildstabilisierung, das Gewicht und das Bajonett Ihrer Kamera. Ob ein Objektiv zu Ihrer Kamera passt, entnehmen Sie den Herstellerangaben.

Reicht ein Bildstabilisator, wenn Sie bewegte Motive bei wenig Licht fotografieren?

Nein. Der Stabilisator mindert das Verwackeln der Kamera, nicht die Bewegung des Motivs. Für Tiere oder Sport brauchen Sie eine kurze Verschlusszeit, und die erreichen Sie über offene Blende und einen höheren ISO-Wert.

Wie holen Sie bei schwachem Licht das Beste aus dem Objektiv?

Nutzen Sie die offene Blende, wählen Sie den ISO-Wert passend zur nötigen Verschlusszeit und stützen Sie die Kamera auf Stativ oder Auflage. Blenden Sie bei ruhigen Motiven ein bis zwei Stufen ab, wenn die Schärfentiefe sonst zu knapp wird.

Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Mehr dazu

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