Lichtstärke, Schärfentiefe, Bokeh Redaktion Teleobjektiv · Stand
Tiefenschärfe beim Teleobjektiv: So steuern Sie die Schärfentiefe
KI-generiertes Bild. Es zeigt keine reale Aufnahme und kein bestimmtes Gerät. Mehr zu unseren Bildern
Inhalt 14 Abschnitte
Schärfentiefe und Tiefenschärfe: Was gemeint ist
„Tiefenschärfe“ ist die umgangssprachliche Bezeichnung für das, was die Fachsprache Schärfentiefe nennt: der Bereich vor und hinter der fokussierten Ebene, der im Bild noch als scharf gilt. Beide Wörter meinen dasselbe. Eine Unterscheidung, wonach das eine den Bildbereich und das andere die Wahrnehmung beschreibe, gibt es nicht.
Scharf abgebildet wird streng genommen nur eine Ebene. Davor und dahinter nimmt die Unschärfe allmählich zu. Als scharf gilt, was auf dem Sensor als Punkt kleiner als ein festgelegter Zerstreuungskreis erscheint. Für Kleinbild werden dafür häufig etwa 0,03 mm angesetzt. Je kleiner der Sensor, desto kleiner ist dieser Grenzwert. Die Schärfentiefe hängt damit von Konventionen für Bildgröße und Betrachtungsabstand ab und ist kein absoluter Messwert. Ausführlich behandelt das Thema der Beitrag zu Lichtstärke, Schärfentiefe und Bokeh.
Die Stellgrößen im Überblick
Vier Größen bestimmen, wie tief der scharfe Bereich ausfällt. Die folgende Tabelle zeigt ihre Wirkung.
| Stellgröße | Veränderung | Schärfentiefe |
|---|---|---|
| Blende | weiter öffnen (kleine Blendenzahl) | nimmt ab |
| Blende | weiter schließen (große Blendenzahl) | nimmt zu |
| Aufnahmeabstand | näher ans Motiv | nimmt ab |
| Brennweite bei gleichem Abstand | länger | nimmt ab |
| Sensorgröße bei gleichem Bildausschnitt | kleiner | nimmt zu |
Als Näherung für Motive, die deutlich näher als die hyperfokale Distanz liegen, gilt: Die Schärfentiefe wächst mit der Blendenzahl und dem Zerstreuungskreis und mit dem Quadrat des Abstands. Sie sinkt mit dem Quadrat der Brennweite. Wer den Abstand verdoppelt, vervierfacht also den scharfen Bereich. Wer die Brennweite verdoppelt und den Abstand beibehält, teilt ihn durch vier.
Rechenbeispiel für den Kleinbildsensor
Mit der Näherung (Schärfentiefe ≈ 2 × Blendenzahl × Zerstreuungskreis × Abstand² / Brennweite²) und einem Zerstreuungskreis von 0,03 mm ergeben sich diese Größenordnungen:
- 200 mm bei f/2,8 und 3 m Abstand: etwa 4 cm.
- 200 mm bei f/8 und 3 m Abstand: etwa 11 cm.
- 200 mm bei f/2,8 und 10 m Abstand: etwa 40 cm.
- 50 mm bei f/2,8 und 3 m Abstand: etwa 60 cm.
Bei einem Porträt aus 3 m Entfernung mit 200 mm und offener Blende liegt also nur ein Streifen von der Breite einer Handfläche im Schärfebereich. Das reicht für ein Gesicht im Profil, nicht aber für Schultern und Gesicht zugleich, wenn die Person schräg steht. Die Werte sind Näherungen. Online-Rechner geben für konkrete Kombinationen genauere Zahlen aus.
Blende: offen oder abgeblendet
Eine offene Blende wie f/2,8 verringert die Schärfentiefe und lässt zugleich mehr Licht auf den Sensor, was kürzere Verschlusszeiten erlaubt. Sie trennt Motiv und Hintergrund deutlich. Eine geschlossene Blende wie f/11 vergrößert den scharfen Bereich und passt, wenn mehrere Personen oder ein gestaffeltes Motiv durchgehend scharf sein sollen.
Zu weites Schließen schadet jedoch: Ab einer objektiv- und sensorabhängigen Grenze verschlechtert die Beugung die Auflösung insgesamt. Das Licht wird an der kleinen Öffnung abgelenkt und verteilt sich auf mehr Pixel. Die Beugung hat nichts mit offener Blende zu tun, sondern tritt beim starken Abblenden auf. Bei offener Blende dagegen zeigen manche Objektive schwächere Randschärfe, Farbsäume oder Vignettierung. Oft liefert eine Abblendung um ein bis zwei Stufen gegenüber der größten Öffnung die gleichmäßigste Abbildung. Welche Blende das beste Ergebnis bringt, zeigt ein Testbild mit Ihrer Ausrüstung.
Brennweite, Abstand und Bildausschnitt
Dass lange Brennweiten wenig Schärfentiefe liefern, stimmt bei gleichem Abstand. In der Praxis wählen Sie aber meist einen bestimmten Bildausschnitt: Das Porträt soll Kopf und Schultern zeigen, egal ob mit 85 mm oder 200 mm. Mit 200 mm müssen Sie dafür weiter weg stehen. Der Gewinn an Entfernung hebt den Verlust durch die Brennweite nahezu auf. Bei gleichem Bildausschnitt und gleicher Blende bleibt die Schärfentiefe deshalb fast gleich.
Der Unterschied liegt im Hintergrund. Die längere Brennweite zeigt einen engeren Winkel, der Hintergrund wird stärker vergrößert und erscheint dadurch weicher und gleichmäßiger. Genau das macht den typischen Tele-Look aus. Mehr zu Brennweite und Bildausschnitt finden Sie auf der Seite zu Telebrennweiten und Bildwinkel.
Eine „Kompression“ der Perspektive entsteht übrigens durch den größeren Aufnahmeabstand, nicht durch das Objektiv selbst. Die Brennweite bestimmt, welcher Ausschnitt davon im Bild landet.
Sensorgröße, Zerstreuungskreis und Betrachtung
Ein kleinerer Sensor braucht für denselben Bildausschnitt eine kürzere Brennweite oder einen größeren Abstand. Bei gleicher Blendenzahl und gleichem Ausschnitt liefert er deshalb mehr Schärfentiefe als ein größerer Sensor. Das erklärt, warum Kameras mit Micro Four Thirds oder APS-C bei gleicher Blendenzahl weniger Hintergrundunschärfe erzeugen als Kleinbild. Ein Crop-Faktor ändert nicht das Objektiv, aber den Bildwinkel und damit die Wahl von Brennweite und Abstand.
Auch die Betrachtung spielt hinein. Was in einem kleinen Ausdruck oder auf dem Smartphone scharf wirkt, kann auf einem großen Bildschirm oder beim 100-Prozent-Blick am Rechner Unschärfe zeigen. Hochauflösende Sensoren machen diese Unterschiede sichtbarer. Die gängige Annahme für Schärfentiefetabellen lautet, dass das Bild in einem Abstand betrachtet wird, der etwa der Bilddiagonale entspricht.
Hintergrundunschärfe und Bokeh
Hintergrundunschärfe wächst mit der Brennweite, mit der Blendenöffnung und mit dem Abstand zwischen Motiv und Hintergrund. Wer das Motiv weit vor der Wand oder dem Blattwerk positioniert, erzielt mit gleicher Einstellung einen weicheren Hintergrund.
Bokeh beschreibt dagegen die Qualität der unscharfen Bereiche: Wie sehen Lichtpunkte aus, ist der Übergang weich, sind die Scheibchen gleichmäßig oder zeigen sie Ringe und Kanten? Das hängt von der optischen Konstruktion und der Form der Blendenöffnung ab, die bei manchen Objektiven mehr oder weniger rund ist. Ein pauschales „schönes Bokeh“ bei jedem Teleobjektiv gibt es nicht, und auch ein starker Hintergrundunschärfegrad sagt nichts über die Qualität aus.
Schärfentiefe in typischen Aufnahmesituationen
- Porträt: Offene Blende, Fokus auf das nähere Auge. Bei schräg stehendem Kopf eine Stufe abblenden, damit beide Augen und die Nasenspitze im scharfen Bereich liegen.
- Wildlife: Tiere sind oft weit weg, daher ist die Schärfentiefe größer, als viele erwarten. Wichtiger ist ein ruhiger Hintergrund. Bei Vögeln im Flug hilft eine etwas geschlossene Blende, die Treffsicherheit des Autofokus zu erhöhen.
- Sport: Kurze Verschlusszeiten brauchen Licht, also meist eine weit geöffnete Blende. Die Schärfentiefe ist knapp, der Autofokus muss das Motiv zuverlässig verfolgen.
- Landschaft und Details in der Ferne: Bei großem Abstand reicht auch eine mittlere Blende, um das Motiv durchgehend scharf zu zeigen. Gestaffelte Ebenen rücken im Bild zusammen, weil der Aufnahmeabstand groß ist.
- Nahaufnahmen: Hier sind es nur Millimeter. Fokus-Stacking und Stativ helfen, wie im Beitrag zu den Aufnahmetechniken beschrieben.
Hyperfokale Distanz und die Verteilung des Schärfebereichs
Der scharfe Bereich liegt nicht symmetrisch um die Fokusebene. Bei kurzen Abständen verteilt er sich ungefähr gleichmäßig davor und dahinter, bei größeren Abständen reicht er hinter dem Motiv deutlich weiter als davor. Ab der hyperfokalen Distanz reicht er hinter dem Motiv bis unendlich. Sie lässt sich als Brennweite zum Quadrat geteilt durch Blendenzahl mal Zerstreuungskreis berechnen. Bei 200 mm, f/8 und 0,03 mm liegt sie rechnerisch bei rund 170 m, bei 50 mm und f/8 dagegen nur bei etwa 10 m.
Für Tele ist das vor allem eine Erkenntnis für Landschaft und Ferne: Wer auf ein weit entferntes Motiv scharfstellt, bekommt Vordergrund und Hintergrund automatisch in einem großen Bereich scharf, ohne dass die Blende dafür weit geschlossen werden muss.
Schärfentiefe kontrollieren
Ob die gewählte Blende reicht, lässt sich vor der Aufnahme prüfen. Viele Kameras zeigen im Sucher die Vorschau bei Offenblende. Eine Abblendtaste oder die Live-View-Vorschau, falls die Kamera sie bietet, zeigt den tatsächlichen Schärfebereich, wirkt bei Tele aber dunkel und klein. Bei wichtigen Motiven lohnt eine kurze Testreihe mit zwei oder drei Blendenwerten. Auf dem vergrößerten Monitor oder am Rechner lässt sich dann beurteilen, welcher Wert die nötige Tiefe liefert.
Gestalterisch gilt: Wer den Hintergrund bewusst auflösen möchte, rückt das Motiv vom Hintergrund weg und öffnet die Blende. Wer Vordergrund, Motiv und Hintergrund in Beziehung setzen will, schließt die Blende und geht auf Abstand. Ein verschwommener Vordergrund aus Gras oder Zweigen kann ein Tierporträt rahmen, wenn er nicht den Autofokus stört.
Häufige Irrtümer
- „Die Schärfentiefe hängt nur vom Objektiv ab.“ Sie hängt gleichermaßen von Blende, Abstand, Brennweite und Sensorgröße ab.
- „Eine größere Blende liefert immer das bessere Bild.“ Sie liefert mehr Licht und weniger Schärfentiefe. Ob das Bild besser ist, hängt vom Motiv und von der Qualität des Objektivs bei Offenblende ab.
- „Mehr Schärfentiefe ist immer besser.“ Für viele Bilder ist gerade die Trennung von Motiv und Hintergrund gewollt.
- „Beugung entsteht bei offener Blende.“ Sie entsteht bei stark geschlossener Blende.
- „Ein Stabilisator vergrößert den scharfen Bereich.“ Er ändert nichts an der Schärfentiefe, sondern verhindert Unschärfe durch Verwackeln der Kamera.
Fokussieren mit knappem Schärfebereich
Bei Teleobjektiven und offener Blende entscheidet schon die Fokusgenauigkeit über Treffer und Ausschuss. Einige Hinweise aus der Praxis:
- Wählen Sie das Messfeld bewusst und legen Sie es auf das Auge oder die wichtigste Bildstelle.
- Nutzen Sie bei bewegten Motiven den kontinuierlichen Autofokus und Serienaufnahmen, um aus mehreren Bildern das schärfste zu wählen.
- Schließen Sie die Blende um ein bis zwei Stufen, wenn die Trefferquote zu niedrig ist. Es gibt dann mehr Spielraum.
- Beachten Sie die Verschlusszeit. Ohne Stabilisator sollte sie höchstens dem Kehrwert der kleinbildäquivalenten Brennweite entsprechen. Bewegungsunschärfe durch das Motiv verhindert dagegen nur eine kürzere Zeit, nicht der Stabilisator.
- Telekonverter verlängern die Brennweite und kosten Licht: 1,4-fach eine Blendenstufe, 2-fach zwei. Bei geringerer Lichtstärke kann der Autofokus langsamer werden.
Weitere Anregungen, welche Brennweite sich für welches Motiv eignet, bietet die Seite zu den Einsatzzwecken der Brennweiten.
Kurz gesagt
- Tiefenschärfe und Schärfentiefe meinen dasselbe: den Bereich um die Fokusebene, der noch als scharf gilt.
- Offene Blende, kurzer Abstand und lange Brennweite verringern ihn, Abblenden und Abstand vergrößern ihn.
- Bei gleichem Bildausschnitt bleibt die Schärfentiefe fast gleich. Mit längerer Brennweite wirkt der Hintergrund aber weicher.
- Zu starkes Abblenden kostet Auflösung durch Beugung. Ein Testbild mit der eigenen Ausrüstung zeigt die beste Blende.
Häufige Fragen zur Schärfentiefe mit Teleobjektiven
Was ist Schärfentiefe und warum ist sie wichtig?
Die Schärfentiefe bezeichnet den Bereich vor und hinter der Fokusebene, der im Bild noch als scharf wirkt. Sie bestimmt, ob nur das Hauptmotiv oder auch Vorder- und Hintergrund klar zu sehen sind.
Wie beeinflusst die Blende die Schärfentiefe?
Eine offene Blende wie f/2,8 verkleinert den scharfen Bereich, eine geschlossene Blende wie f/11 vergrößert ihn. Sehr starkes Abblenden kann die Schärfe durch Beugung wieder verringern.
Wie wirkt sich die Brennweite auf die Schärfentiefe aus?
Bei gleichem Abstand verringert eine längere Brennweite die Schärfentiefe. Bei gleichem Bildausschnitt gleicht der größere Abstand das fast aus, der Hintergrund erscheint aber weicher.
Was ist der Zerstreuungskreis?
Er ist der größte Unschärfekreis, den ein Punkt auf dem Sensor haben darf, um noch als scharf zu gelten. Für Kleinbild werden häufig etwa 0,03 mm angesetzt, für kleinere Sensoren weniger.
Hat die Sensorgröße Einfluss auf die Schärfentiefe?
Ja. Bei gleicher Blendenzahl und gleichem Bildausschnitt bietet ein kleinerer Sensor mehr Schärfentiefe. Deshalb erzeugen Micro Four Thirds und APS-C weniger Hintergrundunschärfe als Kleinbild.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Mehr dazu