Grundlagen & Optik Redaktion Teleobjektiv · Stand
Brennweite und Vergrößerung: Objektiv richtig auswählen
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Was Brennweite über die Vergrößerung sagt
Die Brennweite ist eine Eigenschaft des Objektivs und wird in Millimetern angegeben. Sie beschreibt den Abstand zwischen der optischen Hauptebene des Objektivs und dem Sensor, wenn auf unendlich scharf gestellt ist. Je länger die Brennweite, desto größer wird ein entferntes Motiv im Bild abgebildet und desto schmaler ist der erfasste Ausschnitt.
Als Vergleichsmaßstab dient die Normalbrennweite, die am Kleinbildformat bei etwa 50 mm liegt. Ein Objektiv mit 300 mm bildet ein Motiv rund sechsmal so groß ab wie ein 50-mm-Objektiv, ein Objektiv mit 600 mm rund zwölfmal so groß. Die Abbildungsgröße wächst also linear mit der Brennweite. Eine Vergrößerung wie bei Fernglas oder Lupe ist das nicht: Das Objektiv erzeugt ein Bild auf dem Sensor, dessen Größe von Brennweite und Aufnahmeabstand abhängt.
Von der Brennweite hängen drei Dinge ab, die Sie bei der Wahl eines Teleobjektivs berücksichtigen sollten:
- Bildwinkel: Mit wachsender Brennweite wird der Bildwinkel schmaler. Ein Objektiv mit 24 mm erfasst deutlich mehr Szene als eines mit 600 mm.
- Perspektive: Sie ändert sich nicht durch die Brennweite selbst, sondern durch den Standort. Weil Sie mit langer Brennweite weiter vom Motiv entfernt stehen, wirken Abstände im Bild gestaucht.
- Schärfentiefe: Bei gleichem Abstand und gleicher Blende nimmt sie mit wachsender Brennweite ab.
Bildwinkel berechnen und einordnen
Der diagonale Bildwinkel folgt aus der Formel 2 · arctan(Sensordiagonale / (2 · Brennweite)). Die Diagonale des Kleinbildformats beträgt etwa 43 mm. Daraus ergeben sich gerundete Werte, die zeigen, wie schnell der Ausschnitt mit der Brennweite schrumpft:
| Brennweite (Kleinbild) | Diagonaler Bildwinkel | Typischer Einsatz |
|---|---|---|
| 24 mm | etwa 84° | Landschaft, Architektur, Innenräume |
| 50 mm | etwa 47° | Alltag, Reportage |
| 85 mm | etwa 29° | Porträt |
| 200 mm | etwa 12° | Sport, Tiere in mittlerer Distanz |
| 400 mm | etwa 6° | Wildlife, Flugzeuge |
| 600 mm | etwa 4° | scheue Vögel, weit entfernte Motive |
Die Werte gelten für die Diagonale. Horizontal und vertikal fällt der Winkel kleiner aus. Als Faustregel genügt: Verdoppeln Sie die Brennweite, halbiert sich ungefähr der Bildwinkel, und das Motiv erscheint doppelt so groß.
Der Zoomfaktor: nützliche Kennzahl mit Grenzen
Bei Zoomobjektiven finden Sie oft die Angabe „4x Zoom“ oder ähnlich. Dieser Zoomfaktor ist die längste Brennweite geteilt durch die kürzeste. Er sagt, wie groß der Spielraum innerhalb eines Objektivs ist, nicht wie stark es insgesamt vergrößert.
- 18-55 mm: 55 / 18, also etwa 3x.
- 24-70 mm: 70 / 24, also etwa 2,9x.
- 70-300 mm: 300 / 70, also etwa 4,3x.
- 100-400 mm: 400 / 100, also genau 4x.
- 10-18 mm: 18 / 10, also 1,8x.
Ein 10-18-mm-Zoom hat damit einen kleinen Faktor, aber eben auch keine Telewirkung. Entscheidend für die Reichweite ist die längste Brennweite, nicht der Faktor. Ein 100-400-mm-Objektiv reicht weiter als ein 18-200-mm-Superzoom, obwohl dessen Faktor mit gut 11x höher liegt. Der Zoomfaktor sagt außerdem nichts über Bildqualität, Bauweise oder Lichtstärke aus.
Zoom, Festbrennweite und Teleobjektiv: was ist was?
Die drei Begriffe stehen auf verschiedenen Ebenen, werden aber oft gegeneinander gestellt. „Zoom“ und „Festbrennweite“ beschreiben die Bauart, „Tele“ den Brennweitenbereich. Es gibt also Telezooms ebenso wie Tele-Festbrennweiten.
Zoomobjektive decken einen Brennweitenbereich ab. Sie sparen Objektivwechsel und Gepäck und erlauben es, den Ausschnitt vom Standort aus anzupassen. Das ist bei Tieren und Sport hilfreich, wo Sie den Abstand nicht frei wählen können.
Festbrennweiten sind einfacher aufgebaut. Sie sind häufig lichtstärker und kompakter, dafür müssen Sie den Ausschnitt über Ihren Standort steuern.
| Brennweitenklasse | Stärken | Grenzen |
|---|---|---|
| Weitwinkel (unter 35 mm) | großer Bildwinkel, betont Raumtiefe, geeignet für Landschaft und Architektur | Verzerrung am Bildrand, für Porträts ungünstig |
| Standard (35 bis 70 mm) | natürlicher Bildeindruck, vielseitig | keine Telewirkung, für Nahaufnahmen begrenzt |
| Tele (über 70 mm) | große Abbildung entfernter Motive, geringe Schärfentiefe, Freistellung vom Hintergrund | schmaler Bildwinkel, für Innenräume und Gruppen ungeeignet, anfälliger für Verwackeln |
Sensorformat und äquivalente Brennweite
Die Brennweite eines Objektivs bleibt an jeder Kamera dieselbe. Was sich ändert, ist der Bildwinkel: Ein kleinerer Sensor schneidet einen engeren Ausschnitt aus dem Bildkreis. Um Objektive an verschiedenen Formaten zu vergleichen, rechnet man auf die kleinbildäquivalente Brennweite um: Brennweite mal Crop-Faktor.
- APS-C (Nikon DX, Sony, Fujifilm): Faktor etwa 1,5.
- APS-C bei Canon: Faktor etwa 1,6.
- Micro Four Thirds: Faktor 2,0.
- Kleinbild (Nikon FX, Vollformat): Faktor 1.
Ein Objektiv mit 300 mm entspricht damit an APS-C im Bildausschnitt etwa 450 mm Kleinbild und an Micro Four Thirds 600 mm. Ein 50-mm-Objektiv an einer DX-Kamera zeigt den Ausschnitt eines 75-mm-Objektivs am Vollformat. Das macht kleinere Sensoren für Telemotive attraktiv, weil der Ausschnitt enger wird, ohne dass das Objektiv größer sein muss. Dafür sind Weitwinkelaufnahmen schwieriger, weil der Bildwinkel schrumpft.
Vollformatsensoren sammeln bei gleicher Pixelzahl pro Pixel mehr Licht und rauschen bei hoher Empfindlichkeit häufig weniger. Auch die Schärfentiefe fällt bei gleichem Bildausschnitt und gleicher Blende am größeren Sensor geringer aus. Für die Wahl der Brennweite zählt aber zunächst der Ausschnitt, den Sie brauchen.
Perspektive und Schärfentiefe im Detail
Lange Brennweiten komprimieren den Raum, solange Sie den Bildausschnitt durch einen größeren Abstand konstant halten. Ein Porträt mit 85 mm aus zwei Metern und ein Porträt mit 200 mm aus fünf Metern zeigen die Person in ähnlicher Größe, der Hintergrund rückt im zweiten Bild aber deutlich näher heran und wirkt größer. Verantwortlich ist der Standort, nicht das Glas.
Weitwinkelobjektive zeigen Verzerrungen, vor allem als perspektivische Dehnung am Bildrand und, je nach Konstruktion, als Tonnen- oder Kissenform. Teleobjektive minimieren die perspektivischen Effekte, weil Sie aus größerem Abstand fotografieren. Das schmeichelt Gesichtern und wirkt bei Architekturdetails ruhiger.
Die Schärfentiefe hängt von Brennweite, Blende und Aufnahmeabstand ab. Mit einer langen Brennweite, offener Blende und kurzer Distanz wird sie sehr gering. Das hilft beim Freistellen, macht aber das Treffen des Fokus anspruchsvoller. Wer ein Motiv mit festem Ausschnitt aufnimmt, merkt allerdings: Wechselt man bei gleicher Motivgröße von kurzer auf lange Brennweite und tritt entsprechend zurück, ändert sich die Schärfentiefe kaum. Der Hintergrund wird dann nur größer abgebildet und wirkt dadurch unschärfer.
Lange Brennweiten in der Praxis
Je länger die Brennweite, desto stärker wirkt sich jede kleine Bewegung der Kamera im Bild aus. Eine Faustregel für Aufnahmen ohne Stabilisator lautet: Die Verschlusszeit sollte höchstens 1/(äquivalente Brennweite) Sekunde betragen. Bei 300 mm am Vollformat sind das höchstens 1/300 s, bei 300 mm an APS-C mit Faktor 1,5 rund 1/450 s. Ein Bildstabilisator verschafft hier Spielraum, hilft aber nur gegen Verwackeln. Bewegt sich das Motiv, ist weiterhin eine kurze Zeit nötig.
Auch die Lichtstärke spielt mit. Bei gleicher Blendenzahl braucht ein Objektiv mit langer Brennweite einen größeren Frontlinsendurchmesser. Deshalb sind lichtstarke Teleobjektive groß und schwer, und lichtschwächere Telezooms werden bei Dämmerung schnell an die Grenzen ihrer Belichtung geführt. Ein Stativ oder Einbeinstativ entlastet bei schweren Objektiven und beruhigt die Aufnahme.
Auswahl in fünf Schritten
- Motiv und Abstand bestimmen: Welche Motivgröße wollen Sie aus welchem Abstand erreichen? Daraus ergibt sich die nötige Brennweite. Typische Orientierung finden Sie bei den Einsatzzwecken von Brennweiten.
- Sensorformat berücksichtigen: Rechnen Sie mit dem Crop-Faktor, um die äquivalente Brennweite zu ermitteln.
- Lichtstärke abwägen: Eine größere Blendenöffnung bringt kürzere Zeiten und mehr Freistellung, kostet aber Größe und Gewicht.
- Bajonett prüfen: Das Objektiv muss zum Bajonett Ihrer Kamera passen oder über einen vom Hersteller freigegebenen Adapter nutzbar sein. Verlassen Sie sich dabei auf die Herstellerangaben.
- Handhabung ausprobieren: Gewicht, Balance und Bedienung lassen sich am besten beurteilen, wenn Sie das Objektiv vor dem Kauf ausleihen oder in die Hand nehmen. Lesen Sie zusätzlich unabhängige Prüfberichte zur optischen Leistung, denn Zoomfaktor und Brennweite allein sagen darüber nichts.
Kurz gesagt
- Die Brennweite bestimmt die Abbildungsgröße: doppelte Brennweite, halber Bildwinkel, doppelt so große Abbildung.
- Der Zoomfaktor ist ein Verhältnis aus längster und kürzester Brennweite und verrät nichts über die Reichweite.
- Der Crop-Faktor verändert den Bildwinkel, nicht die Brennweite des Objektivs.
- Lange Brennweiten verlangen kürzere Verschlusszeiten, einen ruhigen Stand und genaues Fokussieren, weil die Schärfentiefe gering ist.
Häufige Fragen zur Auswahl des richtigen Objektivs
Was ist die Brennweite eines Objektivs?
Die Brennweite ist der Abstand zwischen der optischen Hauptebene des Objektivs und dem Sensor bei Fokus auf unendlich, angegeben in Millimetern. Sie bestimmt Bildwinkel und Abbildungsgröße eines Motivs.
Wie berechnet man den Zoomfaktor eines Objektivs?
Sie teilen die längste Brennweite durch die kürzeste. Ein 70-300-mm-Objektiv hat daher einen Zoomfaktor von 300 / 70, also etwa 4,3x.
Wie verändert der Crop-Faktor die Brennweite?
Gar nicht: Die Brennweite ist eine Eigenschaft des Objektivs. Der Crop-Faktor ändert den Bildwinkel. Ein 200-mm-Objektiv an APS-C mit Faktor 1,5 zeigt den Ausschnitt eines 300-mm-Objektivs am Kleinbild.
Was unterscheidet Zoom und Festbrennweite?
Ein Zoom deckt einen Brennweitenbereich ab und spart Objektivwechsel. Eine Festbrennweite hat einen festen Ausschnitt, ist oft kompakter und lichtstärker, verlangt aber, dass Sie den Standort anpassen.
Welche Brennweite brauche ich für Tiere in der Ferne?
Das hängt von Motivgröße und Abstand ab. Für kleine oder scheue Tiere sind lange Brennweiten ab etwa 300 mm üblich, für größere Tiere in mittlerer Distanz reichen oft 200 bis 300 mm. An APS-C wirkt dieselbe Brennweite enger.
Dieser Beitrag wurde mit Unterstützung von KI erstellt. Mehr dazu